Kaffeeland Äthiopien - Das Ursprungsland des Kaffees

Wo kommt unser Kaffee eigentlich her? Wie wird er angebaut? Und wie kommt es, dass es so viele unterschiedliche Kaffeesorten gibt? In den kommenden Beiträgen gehen wir mit dir auf eine Reise. Sie führt uns einmal entlang des Äquators von Äthiopien, über Brasilien und Guatemala, bis nach Peru und Vietnam.

Segel setzen, Kompass richten, unser erster Stopp ist das Kaffeeland Äthiopien.

Äthiopien - Das Land der Vielfalt

Äthiopien liegt im Nordosten Afrikas und wird aufgrund seiner angrenzenden Lage an die Länder Somalia, Dschibuti, Kenia, den Sudan und Südsudan sowie an Eritrea als Binnenstaat bezeichnet. Über 80 unterschiedliche Ethnien mit zahlreichen Sprachgattungen haben in Äthiopien ihre Heimat und machen den Binnenstatt zu einem der bevölkerungsreichsten Binnenstaaten der Welt: Auf einer Fläche von 1.104.500 km2 (das sind ca. 430 Fußballfelder) leben 112 Millionen Einwohner. Der Großteil der in Äthiopien lebenden Menschen wohnt in einem traditionell ländlich geprägten Umfeld. Ihre menschliche Entwicklung, die jährlich vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) bewertet wird, lag 2019 auf Platz 173 von 189 bewerteten Ländern. Grund dafür sind vor allem ein Mangel an wichtiger Infrastruktur sowie das überwiegend autoritäre und weitgehend föderale System des Landes.  

So viele verschiedene Ethnien in Äthiopien leben, so zahlreiche unterschiedliche Religionen gibt es dort auch. Die größten Glaubensgemeinschaften sind die äthiopisch-orthodoxen Christen, Muslime und Protestanten.

Interessant zu wissen: Die Menschen in Äthiopien leben nach einem julianischen Kalender. Ihr Jahr besteht deshalb nicht aus 12, sondern aus 13 Monaten. Jeder Monat hat 30 Tage, bis auf einen und der beginnt am 11. September und hat abhängig davon, ob es ein Schaltjahr ist oder nicht, 5 oder 6 Tage.

Fest in der Kultur und im sozialen Leben verankert ist der Kaffee. Ihm kommt natürlich auch eine wirtschaftliche Relevanz zu, schließlich ist Äthiopien weltweit der fünftstärkste Exporteur von Kaffee. Während der Erntezeiten von Oktober bis Dezember arbeiten über 15 Millionen Menschen auf den Plantagen und in den Anbauregionen des Kaffees.

Tatsächlich aber konsumieren die Menschen mehr Kaffee als sie exportieren. In den traditionell ländlich geprägten Familien werden bis zu dreimal täglich gemeinsame Kaffeezeremonien abgehalten. Dabei werden die Bohnen zunächst frisch geröstet und auf einem Röstteller für die Gemeinschaft für das Schnuppern des Kaffeegeruchs angeboten. Dann werden die Bohnen gestampft. Weil traditionellerweise drei Tassen Kaffee getrunken werden, werden die gestampften Bohnen auch dreimal aufgebrüht. Die dritte Kaffeerunde schließt die Zeremonie mit einem Segen ab. Die Atmosphäre ist geprägt von Muße. Der Kaffee wird in vollen Zügen genossen, dem Segen ausreichend Zeit eingeräumt. Es liegen Düfte von gebratenen Hülsenfrüchten, Popcorn und Räucherstäbchen in der Luft.

Doch woher kommt der Kaffee eigentlich? Die Mischung aus Geografie, Klima, Flora und Fauna bereiten den Boden – im wahrsten Sinne des Wortes – für den Anbau von Kaffee. Schauen wir uns das genauer an.

Geografische Besonderheiten

Äthiopien ist neben Lesotho einer der am höchsten gelegenen Staaten Afrikas. Manche Regionen erreichen sogar Höhen von über 3.500 Metern, die Hälfte der Flächen liegt allerdings „nur“ höher als 1.200 Meter. Charakterisiert wird das Hochland Äthiopiens deshalb als Mittelgebirge. Das weitläufigste und größte Mittelgebirge in Äthiopien ist das Hochland von Abessinien.

Klima

Aufgrund der unterschiedlichen Höhen des Landes variiert das Klima mitunter stark. Im Mittelgebirge ist vor allem ein gemäßigtes Klima vorzufinden mit Tagestemperaturen zwischen 8 Grad und 24 Grad. In den Tiefebenen ist es tropisch-heiß, wohingegen in den höchsten Ebenen relativ kühle Temperaturen herrschen. Nur 16 Grad werden hier durchschnittlich gemessen. Der meiste Regen fällt in den Monaten Juni bis September.

Tier- und Pflanzenwelt

Aus der Vielfalt geografischer, klimatischer und topologischer Charakteristika des Landes ist eine Heimat für eine große diverse Tier- und Pflanzenwelt entstanden. Von der Savanne über Wälder bis hin zu Regionen mit eisigem Klima ist Äthiopien reich an unterschiedlichen Lebensräumen.

 

Kaffeeanbau in Äthiopien

Äthiopien ist das Ursprungsland des Kaffees – genauer gesagt der Arabica Bohne. Auch wenn der Kaffee Sagen nach das erste Mal im Südsudan gefunden wurde, suchte er sich doch Äthiopien als Wahlheimat aus, wo er das erste Mal größte Beliebtheit und Wertschätzung erfuhr.

Die klimatischen Bedingungen Äthiopiens eignen sich hervorragend für den Anbau von Kaffee, denn um zu reifen und zu gedeihen benötigen Kaffeepflanzen ausreichend Sonnenlicht, Wärme und die richtige Menge Feuchtigkeit. In Äthiopien findet sich dies vor allem in den Hochlagen des Landes. Die wichtigsten Anbauregionen sind Harrar, Limmu, Tepi, Lekempti, Dujmmah, Sidamo, Bebeka und Yirgacheffe. Je nach dem, in welcher Region der Kaffee heranwächst, ihm ein entsprechender Name verliehen. Kaffee aus Harrar ist beispielsweise der Harrar-Kaffee. Jede Kaffeeart bringt aufgrund verschiedener Anbau- und Verarbeitungsmethoden ihren ganz eigenen Geschmack mit sich.

Kaffeeanbau und Kaffeeaufbereitung

In Äthiopien werden Kaffeepflanzen auf unterschiedliche Weise angebaut und geerntet. Geläufig sind insgesamt drei verschiedene Methoden des Anbaus.

  1. Der Waldkaffee: Waldkaffee wächst überwiegend im Südwesten Äthiopiens und genießt dort durch die pflanzenreiche Flora und Fauna eine natürliche Beschattung, die vor gleißender Hitze schützt. Der Waldkaffee wächst vor allem wild, das heißt, die Kaffeepflanze wird nicht bewusst kultiviert. So kann es auch vorkommen, dass an einem Strauch einer wilden Kaffeepflanze unterschiedliche Sorten gedeihen. Wilde Sträucher erbringen von Natur aus nur einen kleinen Ertrag Kaffee. Das macht Waldkaffee umso besonderer.
  2. Der Gartenkaffee: Auch beim Gartenkaffee handelt es sich um wildwachsende Kaffeepflanzen. Der Unterschied zum Waldkaffee ist jedoch, dass der Gartenkaffee in unmittelbarer Nähe zu den dort ansässigen Dörfern angebaut wird. So erhält er regelmäßige intensive Pflege durch die Kaffeebauern und -bäuerinnen. Und das ist auch zwingend nötig, denn anders als der Waldkaffee wird der Gartenkaffee nur selten durch den Schatten anderer Pflanzen vor der Sonne geschützt. Durch die Nähe zu den Menschen ist es außerdem möglich, bestimmte Arten von Kaffee bewusst zu kultivieren.
  3. Die Kaffeeplantage: Der Name lässt es schon vermuten, bei der Kaffeeplantage reden wir von einem Kaffeeanbau in konventionellem und professionellem Stil. Auf Kaffeeplantagen finden wir vielmehr bewusst angepflanzte Kaffeearten, die unter geläufigen Anbaumethoden wie Düngen und Beschnitt gedeihen.

Gemeinsam ist allen drei Kaffeearten, dass ihre Kirschen nach der Ernte entweder sonnengetrocknet oder mit hohem Wasserdruck gewaschen werden, damit sich der innenliegende Kern – die Bohne – von der Haut der Kirsche löst. Je nach dem, auf welche Weise der Kaffee aufbereitet wird, bekommt er seine ganz eigene geschmackliche Note. Sonnengetrockneter Kaffee wird üblicherweise in natürlichen Waldgärten in den Hochlagen östlich der Hauptstad Addis Abeba angebaut. Der gewaschene Kaffee stammt hingegen aus dem Hochland südlich und westlich von Addis Abeba. Während viele sonnengetrocknete Kaffeearten einen sehr vollmundigen und intensiven Geschmack haben, kommen die gewaschenen Kaffeesorten mit einem milden und leicht fruchtigen Aroma daher. Kaffeekenner beschreiben den Geschmack als leicht zitronig mit einem leichten blumigen Hauch.